Kommunizierende Felder: Kunst, Währung und Wirtschaft

Kann Kunst Teile der Welt zu einem guten Ort, einer Eutopie, werden lassen?

Die Frage, was Kunst bewirken kann und ob sie Teile der Menschheit auf idealere Lebens-grundlagen hinzuweisen vermag, beschäftigt Künstler seit Jahrtausenden. Auch eine Grup-pe von KünstlerInnen aus der Schweiz und aus Kassel setzt sich mit ihrem Konzept TRAN-SIT und dem aktuellen Projekt Light space mit dieser Frage auseinander.

Mit dem Thema Kreisläufe und der Erforschung des Hintergrunds von Werten und Währun-gen in einem umfassenden Sinn bezieht das Konzept TRANSIT eine fundamentale Position: Die noch wenig genutzten Möglichkeiten von Währungen als verbindliches Medium für Ver-ständigung sowie der Austausch innerhalb wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und kultureller Bereiche sollen hier kurz skizziert werden.

Hintergrund

1972, vor einem halben Jahrhundert wurde im Auftrag des «Club of Rome» eine Studie zur Lage der Menschheit und des Planeten Erde verfasst, in der auch Möglichkeiten nachhalti-ger Wirtschaftsweisen (damals auch mit Konzepten von «small is beautiful» und «mittlere Technologie») untersucht wurden.

1973 erschütterte die Ölkrise nach langen Jahren des «Wirtschaftswunders» die westlichen Industrieländer. Somit wurde das Thema Nachhaltigkeit erstmals vertieft behandelt.
Doch durch die Propagierung des Wirtschaftsliberalismus und des Recyclings hat sich eine noch radikalere Wirtschaftsexpansion ermöglicht. Die scheinbare Unabänderlichkeit gren-zenloser Expansion mit ihren prekären Folgen ist damit systemisch kanalisiert.

Die «sozialen Grenzen des Wachstums» werden noch immer zu wenig in Betracht gezogen. Diesen Bestand auszuleuchten und gesellschaftsbezogene Visionen verständlich und intui-tiv zugänglich zu machen, hat sich TRANSIT mit den Themenfeldern Kreisläufe, Kreislauf-wirtschaft und gute Währungen für eine widerstandsfähige, da kooperative Ökonomie, zur Aufgabe gemacht.

Geld und Expansionswirtschaft

Der Anspruch auf Gewinn und Rendite und die daraus resultierenden einseitigen kulturellen und konsumwirtschaftlich konstruierten Werte, hält sich beharrlich durch die bestehende Geld-Idee und die Ideologie des bloss privaten Tausches. Auch erweist sich die Absiche-rung von Privatexistenz und Reserven durch das heutige globale Finanzsystem zunehmend als fragwürdig.

Da wir letztendlich alle aufeinander angewiesen sind, bilden gesellschaftlich abgestimmte und gut zugängliche Handlungsfelder die ideale wirtschaftliche und soziale Sicherheit. Die dazu erforderlichen Strukturen sollten unsere ganze Aufmerksamkeit erhalten, um den nöti-gen Systemwandel zu ermöglichen. Durch Geld geprägte und genutzte Belange werden heute noch stark von überholten Gewohnheiten und Werten geleitet, obwohl sie längst durch zeitgemässe Haltungen und Wirtschaftsformen abgelöst werden könnten.
Hier nimmt das Geld, das durch Privatbanken geschöpft wird, eine Schlüsselstellung ein.

Ein Systemwandel in Richtung einfach zugänglicher Formen von Kreislaufwirtschaft drängt sich auf. Damit lassen sich Kräfte erschliessen, um nicht nur den Klimawandel bestmöglich abzuwenden.

Kreislaufwirtschaft im Sinne von TRANSIT versteht sich als Wirtschaft materieller Genüg-samkeit, der Pflege von Lebenswelt und der zeitgemässen Kooperation. Produkte aus der Nähe, Reparatur, Sharing und vielfältige Dienste zur Gesundheitsvorsorge, Bildung und Grundlagen für ko-kreative Prozesse sind beispielgebende Themen. «Zeitgemäss», um jeglicher Form von Ideologie zu entgehen, wird hier vereinfachend als die Vermeidung schädlicher Kräfte verwendet. Soziale Isolation, strukturelle Ungerechtigkeit, Artensterben, Klimaerwärmung oder der Verschleiss von Ressourcen jeder Art sind de-struktive Anteile, die abgelehnt werden.

Der Ideologie des privaten Geldes wird bei TRANSIT das Modell der Kreisläufe, also der ständig auszugleichenden Bilanzen gegenübergestellt. Über die Beschaffung von Gütern und Leistungen existenzieller Notwendigkeit hinaus steht gutes Geld für gesellschaftliche Werte, die wir individuell wählen und unterstützen können.

Währungen als verbindliches Kommunikationsmittel

TRANSIT bietet Anschauungen und Perspektiven für einen intuitiv erfassbaren Begriff von Werten und Geld. Erweitert um die Wirkung verbindlicher Kommunikation und Kooperation mit einem offenen Zugang, wird Geld zu einem Instrument für unideologische, basisdemo-kratisch konditionierte Prozesse. So kann ein gesellschaftlicher Austausch stattfinden, der nichtmaterielle und kulturelle Werte in den Vordergrund zu stellen vermag.

Das fortlaufende Projekt TRANSIT untersucht und begründet den konsequenten Weg die-ser verbindlichen Kommunikation durch kulturell und ethisch konditionierte Währungen, die sich durch ein komplexes Netz von Gegenseitigkeit aufbauen. Durch Währungen in Kreisläu-fen können sich Menschen, die ihrer Lebenswelt engagiert zugewandt sind, schrittweise aus der Expansionswirtschaft herausbewegen und kontinuierlich eine ethisch und ökolo-gisch konditionierte Kreislaufwirtschaft aufbauen.

Wie kann die Kunst von TRANSIT diesem hohen Anspruch genügen?
Durch Zuwendung an die Geschichte, zu Erzählungen, der Wahrnehmung und dem laufen-den Austausch zu Kreisläufen innerhalb der beteiligten KünstlerInnen soll der Hintergrund von guten Währungen und idealen Formen von Kreislaufwirtschaft für ein einfach zugängli-ches Verständnis erschlossen werden. Das gemeinsame Thema der Kreisläufe dient ihnen als Katalysator und transformierendes Enzym.

Zürich, August 2022 Roger P. Fischer
rf@global-synergetisch.ch

Der Autor Roger P. Fischer, Zürich, ist Konzeptkünstler und beschäftigt sich in Zusammenarbeit mit Dr. Jens Martignoni seit vielen Jahren mit Möglichkeiten gesellschaftlich konditionierter Kreislaufwirtschaft und ent-sprechenden Währungsmodellen. Sie unterhalten in der Schweiz das Währungsprojekt «Global synergetische Währungen», das gesellschaftliche Währungen aus den Regionen heraus verbreiten will.