Komplementärwährungen ermöglichen kooperative und ökologisch konditionierte Formen von Kreislaufwirtschaften, von Care-Ökonomie und Nachbarschaftsdiensten mit Wertausgleich. Ein Online-Marktplatz macht dies in allgemeiner Weise zugänglich. Damit kann auch eine wirtschaftliche Redundanz geschaffen werden durch gesellschaftliche Absicherung. 

Die untereinander konkurrierenden Staatswährungen, alle systemisch abhängig von Wirtschaftsexpansion, dienen primär der Rendite und dem privaten Gewinn. Erst sekundär, grösstenteils über staatliche Eingriffe (Steuern, Sozialabgaben, Zölle, etc.), können diese Währungen allenfalls einen weiterreichenden gesellschaftlichen Nutzen generieren. Um gesellschaftliche Alltagskultur und Wohlfahrt durch Steuern zu ermöglichen, ist eine ständige Wirtschaftsexpansion notwendig; deren Mechanismen (1) und ihre Folgen sind bekannt. 

Das soziale Kapital (2) (Familienarbeit, Freiwilligenarbeit, Nachbarschaftshilfe) schrumpft in den westlichen Ländern durch den Leistungsdruck, den die Expansionswirtschaft systemisch einfordert für diejenigen, die im Erwerbsleben stehen. Andere sind im gesellschaftlichen Abseits. Dies führt zu immer mehr sozialen Problemen, die durch Steuerleistungen und Sozialabgaben den allgemeinen Druck auf die Wirtschaft noch zusätzlich erhöhen. 

Doch gibt es auch einen direkten Weg, gesellschaftlichen Nutzen zu schaffen und gleichzeitig der Lebenswelt mit anderen Formen von Wachstum zu begegnen. Innerhalb eines dualen Währungssystems, also Staats- und Komplementärwährungen können erhebliche Kosten in der gesellschaftlichen Grundversorgung eingespart werden, ohne die Lebenswelt über ein naturgegebenes Mass hinaus zu belasten. Dies wird den Wachstumszwang mit seinen prekären Folgen bremsen und die gesellschaftliche Abhängigkeit von Sozialleistungen deutlich verringern.

Komplementärwährungen werden durch die Nutzer*innen direkt in Regionen und Gesellschaften durch ihre eigenen Leistungen geschöpft für Aufgaben in ihrer persönlichen Umgebung: Mit einer Komplementärwährung können Nachbarschaftsdienste und Betreuung zu einem Zahlungsmittel und zu Wertaufbewahrung gelangen, die über die eigene Region hinaus eine ökonomische Anwendung finden. Qualitäten, die im System der Staatswährungen keinen Gewinn abwerfen oder die nicht als Werte im Bruttosozialprodukt aufgeführt werden. CAREA ermöglicht damit Kooperation und ökonomische Sicherheit in den Regionen durch gesellschaftliche Ressourcen.

Kreisläufe in den Regionen
Ein Online-Marktplatz mit eigener Währung vermag mit seiner Ausrichtung auf Kooperation und Nachhaltigkeit 
zusätzliche Wirkung und Mittel sozialer und existentieller Grundlagen und Altersvorsorge zu schaffen. Er kann als Instrument für Schwarmintelligenz neue Wege für zukunftsfähig gestaltete Kreislaufwirtschaften erschliessen, die aus den Gesellschaften direkt betrieben und alimentiert werden. Kreislaufwirtschaft steht in diesem Zusammenhang nicht primär für Produktion, sondern vereint vor allem zahlreiche Dienste und Qualitäten persönlichen Zusammenwirkens – sozialer Austausch, Betreuung, Sorgearbeit, Sharing, Gesundheitsvorsorge, individuelles Wohlbefinden und Alltagskultur.

Währungen als Mittel direkter Partizipation
Den notwendigen Umbau der Konsum- und Expansionswirtschaft vermögen Machtpolitik und Verwaltungen durch ihre Verstrickung mit der Expansionswirtschaft systemisch kaum allein zu leisten – es wäre ein Zirkelschluss (3). Durch den gesellschaftlich basierten Aufbau und den erleichterten Zugang zu sozial tragfähigen Kreislaufwirtschaften können Menschen in ihren Wirkungsradien diesem Dilemma entgegenwirken. Gesellschaftspolitische Interessen werden durch regionale Beziehungen erkannt und können wirksam umgesetzt werden.

Bedarfswirtschaft mit CAREA?
Durch verbundene Komplementärwährungen können gesellschaftliche Kräfte verstärkt und selbstwirksam auf Wirtschafts- und Lebensweisen hin aufgebaut werden, die unserem Planeten angemessen sind. Eine so organisierte Bedarfswirtschaft kann sich wieder vermehrt zu einem kulturellen Fundament entwickeln und allgemein zugänglich werden. Eine mit den Realwirtschaften direkt verbundene Komplementärwährung wird zu einem überschaubaren Medium, mit dem sich die Nutzer*Innen in verbindlicher Weise vor allem auch mit gesellschaftlichen Werten austauschen.

Allgemeiner Zugang zur Kreislaufwirtschaft
CAREA ermöglicht einen pragmatischen Zugang verschiedener Ausprägungen von Teilhabe an Kreislaufwirtschaften. Nutzer*innen können für den ökologischen Kreislauf ihre nicht mehr gebrauchten Gegenstände losschlagen, Sachen reparieren, beraten, usw. und sie werden wechselseitig profitieren von vielfältigen Dienstleistungen, Wohnhilfe, Handreichungen oder Kompetenzen. Menschen jeden Alters und mit jeder Art von Fähigkeit oder Präsenz erlangen damit Zugang zu einem gesellschaftlich konditionierten Markt, den sie mit ihren eigenen Möglichkeiten und mit ihrer Zeit alimentieren können.

Unabhängiges Grundauskommen
Ein herbeigewünschtes Grundeinkommen wäre abhängig von immer weiterer Wirtschaftsexpansion. Im Sinne regionaler, verbundener Kreislaufwirtschaften ermöglicht CAREA demgegenüber den selbstwirksamen Aufbau von Lebens- und Wirtschaftsweisen, zu denen alle Menschen einen möglichst einfachen Zugang finden. Damit sollen gesellschaftlich erzeugte Grundauskommen generiert werden, die sich subsidiär durch vorhandene menschliche Ressourcen erschliessen.

Kulturelle und gesellschaftliche Vielfalt
Regionale Kreislaufwirtschaften können ihre Alltagskultur und ihre Gemeinschaften besser pflegen. Befreit vom allgemeinen Expansions- und Konsumzwang werden regionale Produkte, Unternehmen und Dienstleistungen den lokalen Kulturen und Eigenheiten besser und naheliegender entsprechen. Zeit für die Pflege von Nachbarschaften und für Menschen, die nicht im Berufsleben stehen, vermögen hohe Kosten für soziale Aufwendungen einzusparen.

Resilienz und Sicherheit
Die Währungsmenge ist bei CAREA proportional auf die Anzahl der Nutzer*innen und deren gesellschaftlichen und privatwirtschaftlichen Aktivitäten beschränkt. Damit ist das Verhältnis der auf der Plattform präsenten Leistungen und Waren zur vorhandenen Währungsmenge so organisiert, dass eine Entwertung kaum möglich ist. Ausserdem steht nicht die Warenproduktion im Vordergrund, sondern eine wachsende Zahl von zivilen und kulturellen Dienstleistungen; also Nachbarschaftsdiensten, Präsenz und Betreuung. Solche Wirtschaftsleistungen sind nicht kapitalintensiv und sie erlauben die Verwendung einer übersichtlichen Währungsmenge (4).

Die Frage, was Komplementärwährungen im dualen Währungssystem bewirken, wurde hier weitgehend, 
aber kaum vollständig beantwortet. Noch sind mit deren Gebrauch weitere Vorteile zu erwarten. Mit Sicherheit kann gesagt werden, dass Komplementärwährungen gesellschaftliche Kohäsion und allgemein zugängliche Kreislaufwirtschaften fördern und dass diese ein geeignetes Mittel sind, um den dringenden Problemen (und das ist nicht nur der Klimawandel) in unserer Lebenswelt wirksam zu begegnen. Direkt aus den Gesellschaften heraus und nicht über den Umweg von Überproduktion und fiskalischer Belastung.

 

(1) Mathias Binswanger «Der Wachstumszwang»- Wiley-VCH Verlag 2019

(2) Markus Freitag «Das soziale Kapital der Schweiz»- Verlag NZZ 2014

(3) Ulrike Herrmann: «Das Ende des Kapitalismus» Warum Wachstum und Klimaschutz nicht vereinbar sind- Kiepenheuer & Witsch 2022.

(4) Diese können als Regionalwährungen ausgebildet sein, hauptsächlich kursieren sie aber als elektronischer E-Coin; als systemgeschützter, nicht handelbarer Token. Die PlaDorm CAREA überwacht und sichert beide Formen als Werte.