Die Wirtschaftsexpansion, systemisch getrieben innerhalb der global agierenden Finanzindustrie und den Mechanismen von Fiat-Geld verursacht enorme Schäden in den Gesellschaften und in der gesamten Lebenswelt. Wir sind da alle im privilegierten Westen in irgendeiner Weise darin verstrickt. Dass sie sich diese Wirtschaftsweise innerhalb dieses Systems relevant verändern könnte, z. B. durch einen «Green Deal», ist ein Widerspruch in sich. Auch grüne Investitionsanreize für die Industrie und innerhalb der globalen Konkurrenz beschleunigen den Motor der scheinbar unaufhörlichen Wirtschaftsexpansion mit allen prekären Folgen. 

Der Ruf nach einem tiefgreifenden Systemwechsel ist folgerichtig und sucht nach Auswegen. Eine Komplementärwährung zur Ermöglichung von Care- und Kreislaufwirtschaften aus den Gesellschaften heraus bietet eine höchst wirksame Alternative, um neben dem bestehenden Wirtschafts- und Währungssystem die drohenden Katastrophen abzuwenden oder wenigstens abzumildern. Wir müssen dringend völlig andere Qualitäten von Sein und Wachstum leben können und dazu benötigen wir ein Geld mit anderer Ausrichtung. 

Durch Komplementärwährungen werden brachliegende, gesellschaftliche Kräfte erschlossen, die wirksam dazu beitragen, den zahlreichen Problemen wie Klimaerwärmung, Artensterben, Meeresverschmutzung und weiteren Schäden an unserer Lebenswelt nicht nur in industrieller, sondern vorrangig in sozialökonomischer Weise entgegenzuwirken. Sie vermitteln für ihre Nutzer*innen ein Feld, um an gesellschaftlichen, pflegenden und regenerativen Prozessen in der Lebenswelt direkt teilzunehmen. Das ist wirksamer als eine direkte Demokratie in der Machtpolitik, die verstrickt ist mit der Wirtschaftsexpansion. Komplementärwährungen ermöglichen tragfähige Wirtschafts- und Handlungsweisen, um sich bestimmt, friedvoll und kooperativ und in überschaubarer Weise für die Lebenswelt einzusetzen. 

Eine Gegenüberstellung der beiden Währungs- und Wirtschaftstypen zeigt verschiedene Wirkungen:


Fiat- (Staats-) Währungen

A) Fiat-Währungen sind eingebunden in den internationalen Wettbewerb der starken Kaufkraft (Devisenkurse) und der positiven Handelsbilanzen. Starke Fiat-Währungen lassen systemisch schwache Volkswirtschaften auf der Strecke und profitieren davon in systemisch parasitärer Weise. 

Komplementärwährungen  

Komplementärwährungen ermöglichen regionale Verbundenheit und Sicherheit mit einem Wertebewusstsein, das unserer Lebenswelt entspricht indem es andere Qualitäten in den Vordergrund zu stellen vermag durch Suffizienz, Kooperation und gesellschaftliche Wertschätzung. Dies erfordert faire Regeln globaler Wirtschaftsordnung. 

B) Die primäre Geldschöpfung erfolgt über Kredite privater Banken, die nach Kriterien von Gewinn, Rendite und Zinsen ausgegeben werden. Das erzeugt eine permanente Wirtschaftsexpansion durch Anreize für Produktion und Konsum. Die Geldmengen übersteigen die Leistungen der Realwirtschaft um ein Vielfaches.

Die Geldschöpfung geschieht über den realen existentiellen Bedarf und für Tätigkeiten zum pfleglichen Austausch zu Mitmenschen und Lebenswelt. Präsenz, Leistungen und Waren kommen nicht primär aus Industrie und Gewerbe, sondern aus den Erfordernissen Gesellschaften und der Lebenswelt heraus. Die Geldmenge entspricht den realen Bedürfnissen. 

C) Die Staats-Währungen sind abhängig von der Leitwährung Dollar. Nun erleben wir – neben dem wirtschaftlichen Wettbewerb – einen machtpolitischen Druck gegenüber dem Dollar; vor allem durch China und Russland. Die Leitwährung weiss neben der wirtschaftlichen um ihre militärische Macht und vertritt ihren ideologischen Standpunkt, den sie mit globaler Machtpolitik durchsetzt. 

Komplementärwährungen, die primär in den Regionen zirkulieren, dienen vor allem den gesellschaftlichen Aufgaben und der Existenzsicherung durch lokale Produktion. Statt Wettbewerb und Machtgebärden funktionieren diese Währungen in kooperativer Weise im Austausch mit weiteren Regionen, um Sicherheit, Redlichkeit, Solidarität und kulturelle Vielfalt zu ermöglichen und in eine gute Richtung zu entwickeln. 

D) Die Wertschöpfung erfolgt vor allem über Gewerbe und Industrie, dem Bruttoinlandprodukt BIP, das vom Wettbewerb als Gewinn des Stärkeren zurückbleibt. Der Wirtschaftsmotor schafft und unterhält fragile Einkommen und fordert den stetigen Konsum. 

Wert- und Geldschöpfung fallen zusammen über Leistungen, Präsenz und Waren, die in direkter Weise aus den Gesellschaften heraus entstehen. Der Wertschöpfungsbegriff erstreckt sich bis in die Haushalte hinein und schafft so ein reales Auskommen, das sich naturgemäss aufbaut. 

E) Staatliche Leistungen gelangen in die Gesellschaften hauptsächlich über die Sozialabgaben, Zölle und Steuern. Auch dies sind Treiber der Wirtschaftsexpansion, des damit verbundenen Verlustes von gesellschaftlichen Werten und der passiven Abhängigkeit vieler Menschen.

Mindestens die komplementäre Pflege, Betreuung, Wohnhilfe und Nachbarschaftsdienste werden direkt aus den Gesellschaften heraus, also subsidiär geleistet und entlöhnt, resp. angespart. Das nimmt bereits sehr viel Druck weg aus der Expansionswirtschaft mit ihren prekären Folgen.

F) Im Zwang des wirtschaftlichen Wettbewerbs werden alle Steuervorteile genutzt und die Lobbyarbeit in der Machtpolitik wird als wirksames Instrument eingesetzt. Letzteres führt zu kulturellen und gesellschaftlichen Monokulturen, wie sie z. B. besonders deutlich auch im Gesundheitswesen sichtbar werden.

In einer Kreislaufwirtschaft mit eigener Währung kann eine Kultur der Selbstverantwortung und der Selbstermächtigung gepflegt und gefördert werden. Unabhängige Forschung trägt dazu bei, z. B. die Komplementärmedizin zu stärken und die Gesundheitsvorsorge zu fördern als Mittel von Lebensqualität und Kostenersparnis.

G)  Das heute dominierende Fiat-Geld bemisst seinen Wert im Rahmen des globalen Wettbewerbs mit dessen Handelsbilanzen; streng in Abhängigkeit von Exporten und Importen. In der Binnenwirtschaft ist der geforderte Konsum von Bedeutung, wie stabil die Kaufkraft der eigenen Landeswährung ist (wenig Inflation oder Deflation.) Die Steuerung von Fiat-Geld ist weltpolitisch risikoreich und wird von dauernden Krisen und Kriegen begleitet.

Bei einer Kreislaufwirtschaft, die auf den eigentlichen Bedarf, also Resilienz, ausgerichtet ist und deren Care-Ökonomie möglichst wenig Umweg über die (letztendlich globale) Expansionswirtschaft macht, wird die von diesem Zwang befreite Komplementärwährung direkte Bezüge machen auf regionale Wirtschaftsweisen, Care-Leistungen bezahlen und sich auf gesellschaftliche Belange im Rahmen globaler Gerechtigkeit ausrichten. 


Die Qualität von Währungen haben einen entscheidenden Einfluss auf die Wirtschaftsweisen, auf die Gesellschaften und auf uns Einzelne. Auf die Staatswährungen können wir kaum einen Einfluss nehmen. Doch korrigierende Wirkungen von Komplementärwährungen, die nicht unter dem Druck der Expansionswirtschaft  stehen, lassen sich auf allen Gebieten von Gesellschaften und für die gemeinsame Lebenswelt weiterdenken und anwenden. 

Das Projekt gsw-CAREA macht diesen Schritt mit einer Plattform für ein Online-Marketing, bei welchem Nachbarschaftsdienste, Pflegedienste, Wohnhilfe, Sharing, regionale Kreislaufwirtschaft, etc. mit einer Komplementärwährung in einen Wert gesetzt werden. Werte werden gesichert und können über weite Regionen hinaus für Gegenleistungen eingesetzt werden. 

Die Plattform CAREA will Ende 2023 online gehen.


(1) Fiat (lateinisch es werde) bezeichnet unser tägliches Geld, das über Kredite geschaffen wird und nicht z. B. an Gold oder sozialökonomische Werte gebunden ist. 

(2) Ein duales Geldsystem mit Staats- und Komplementärwährungen schaF eine zusätzliche Unabhängigkeit und Sicherheit (Redundanz), wie sie bei jedem grösseren System immer angewandt wird (z. B. das Notstromaggregat im Spital oder KauKaus).